"Wer über Herodot schreibt, steht in bester Gesellschaft, läuft aber gerade dadurch Gefahr, zu langweilen oder zu verärgern. Denn Neues zu bringen fällt schwer. So viel Literatur ist schon über die Historien veröffentlicht worden, daß mit jedem weiteren Anlauf fast zwangsläufig Bekanntes wiederholt und viel Mühe fremder Forschung ignoriert wird. Allein, die gedankliche Tiefe eines Autors, über dessen Leben wir so wenig wissen, wird immer wieder dazu drängen, Herodot ins Zentrum der Reflexion über Grundfragen der historischen Wissenschaft zu stellen. Kein anderes Werk des Altertums brachte es gleichermaßen zustande, die ganze Oikumene in ihrer Vielfalt gedanklich zu erfassen und das Leben der Völker, ihre unterschiedlichen Sitten und kulturellen Leistungen, ihre Taten und ihr historisches Geschick zu betrachten, um daraus einen Maßstab für die Vorstellung von der eigenen Geschichte zu gewinnen und diese gleichzeitig in einer Zusammenschau zu erfassen und darzustellen, deren erzählerische Anmut ihrem geschichtsphilosophischen Gehalt ebenbürtig ist." (R. Bichler)
Henry Kissinger über die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts Hat das westlich geprägte Wertesystem im 21. Jahrhundert angesichts aufstrebender Mächte mit gänzlich anderem Menschenbild und Gesellschaftskonzept als Basis einer Frieden stiftenden Weltordnung ausgedient? Henry Kissinger, über Jahrzehnte zentrale Figur der US-Außenpolitik und Autorität für Fragen der internationalen Beziehungen, sieht unsere Epoche vor existenziellen Herausforderungen angesichts zunehmender Spannungen. In der heutigen global eng vernetzten Welt wäre eine Ordnung vonnöten, die von Menschen unterschiedlicher Kultur, Geschichte und Tradition akzeptiert wird und auf einem Regelwerk beruht, das in der Lage ist, regionale wie globale Kriege einzudämmen. Der Autor analysiert die Entstehung der unterschiedlichen Ordnungssysteme etwa in China, den islamischen Ländern oder im Westen und unternimmt den Versuch, das Trennende zwischen ihnen zusammenzuführen und den Grundstein für eine zukünftige friedliche Weltordnung zu legen.
English summary: Phenomenological and narratological approaches are the basis on which the idea of history in the Iliad is analysed. The first part examines the relations of the heroes to the past. The second part reads the narrative form of the Iliad as an expression of the underlying idea of history. German description: Bereits vor und auch jenseits von Geschichtsschreibung vergegenwartigen sich Menschen ihre Vergangenheit. In der Memoria der antiken Griechen nahm die Ilias einen herausragenden Platz ein. Dieser Tatsache tragt Jonas Grethlein Rechnung. Er entwickelt einen phanomenologischen Geschichtsbegriff, der es erlaubt, das Geschichtsbild der Ilias nicht nur als defiziente Vorstufe zur Historiographie zu sehen, sondern in seinem eigenen Recht zu analysieren. Der erste Teil der Studie untersucht das Bild, das die epischen Helden von ihrer Vergangenheit haben. Der zweite Teil ist dem Geschichtsbild gewidmet, das der Ilias selbst zugrunde liegt. Auf der Grundlage erzahltheoretischer Reflexionen wird hier die narrative Komplexitat der Ilias als Ausdruck ihres Geschichtsbildes gedeutet. Damit leistet Das Geschichtsbild der Ilias einen Beitrag zur Kulturgeschichte des archaischen Griechenlands und eroffnet zugleich einen neuen literaturwissenschaftlichen Blick auf das Epos.

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